Gentechnik in Schutzgebieten

Die Risiken des Einsatzes von gentechnisch veränderten Organismen (GVO) für die Biologische Vielfalt sind nach dem derzeitigen Wissensstand unkalkulierbar. Etwaige Folgen für den Naturhaushalt sind nicht rückholbar. Dennoch wird der Biodiversität bislang – insbesondere in ökologisch sensiblen und wertvollen Gebieten – kein ausreichender Schutz gewährt.

Deshalb appelliert EUROPARC Deutschland an die Landesregierungen und die Bundesregierung sowie die rechtsetzenden Gremien der Europäischen Union:

  • im Sinne des Vorsorgeprinzips eindeutige rechtliche Regelungen zum Schutz der Biodiversität vor den Risiken der GVO-Anwendung festzulegen;
  • ökologisch sensible Gebiete wie Nationalparks, Biosphärenreservate und Naturparks von der Freisetzung und dem Anbau gentechnisch veränderter Organismen frei zu halten und ausreichende Abstandsregelungen zu GVO-Anbauflächen im Umfeld zu erlassen;
  • EUROPARC Deutschland und ggf. betroffene Schutzgebietsverwaltungen über geplante GVO-Freisetzungen bzw. GVO-Anbauten zu informieren und ein generelles Einsichtsrecht in alle Daten des Standortregisters zu gewähren;
  • die Risiken für die Biodiversität durch die GVO-Anwendung im Freiland mittels eines Forschungsprogramms intensiv und langfristig zu untersuchen.

Großschutzgebiete dienen nicht nur als Modellregionen für eine nachhaltige Regionalentwicklung, sondern auch als Referenzflächen und als Reservoir unserer Biologischen Vielfalt. Vor diesem Hintergrund sollte in diesen Schutzgebieten auch in Zukunft eine gentechnikfreie Land- und Forstwirtschaft flächendeckend gewährleistet werden.

Deshalb spricht sich EUROPARC Deutschland generell gegen eine Nutzung von GVO in Großschutzgebieten aus und wird aktiv dazu beitragen, dass:

  • den politisch relevanten Gremien vorsorgende Handlungsempfehlungen zum Schutz der Biodiversität übermittelt werden;
  • in ökologisch sensiblen Gebieten wie Nationalparks, Biosphärenreservaten und Naturparks „Gentechnikfreie Regionen“ (GFR) eingerichtet werden;
  • die Besucher der Schutzgebiete und die relevanten Akteure vor Ort über die GVOProblematik informiert werden;
  • im Rahmen der europäischen Dachorganisation EUROPARC FEDERATION auch andere Mitgliedsstaaten für die Problematik sensibilisiert werden.

Berlin, 10.06.2005

EUROPARC Deutschland
Friedrichstraße 60
10117 Berlin
Tel. 030 / 2 88 7 88 2 0
Fax 030 / 2 88 7 88 2 16

Dokument als PDF-Download