Nach den Biosphärenreservaten (1996) und den Naturparks (2005 – gemeinsam mit VDN) können wir für die Kategorie Nationalpark ebenfalls Vollzug melden: eine Evaluierung der Managementqualität wird nun auch in den deutschen Nationalparks umgesetzt. Angestoßen wurde diese Initiative von EUROPARC Deutschland. Neben Finnland ist Deutschland weltweit eines der wenigen Länder, das eine Evaluierung all seiner Nationalparks durchführt.
Mit Zustimmung der LANA (= Länderarbeitsgemeinschaft Naturschutz) vom Herbst 2008, hat sich der Bund bereit erklärt die Kosten für die Erst-Evaluierung der deutschen Nationalparks im Zusammenwirken mit den Ländern und EUROPARC Deutschland zu übernehmen.
Mit den Nationalparks Vorpommersche Boddenlandschaft und Jasmund hat die freiwillige Evaluierung der deutschen Nationalparks im Oktober 2009 ihren Auftakt genommen (www.nationale-naturlandschaften.de/pressemitteilungen). In 2011 durchlaufen derzeit die letzten fünf Nationalparks Müritz, Hamburgisches Wattenmeer, Sächsische Schweiz, Hainich und Bayerischer Wald die freiwillige Evaluierung.
Zur Begleitung und Beratung des Evaluierungsprozesses ist durch die LANA ein Fachkomitee berufen worden, dem Vertreter der Länder, der Wissenschaft, des Bundes, der Nationalparks, der NGO’s und von EUROPARC Deutschland angehören.
Mitglieder sind: für den Bund Dr. Volker Scherfose (BfN) und Martin Waldhausen (BMU), für die Länder-Arbeitsgemeinschaft Naturschutz (LANA) Josef Seidenschwarz (Bayern), Sylvia Wagner (Nordrhein-Westfalen), Vera Knoke (Schleswig-Holstein) sowie Rainer Schrader (Thüringen). Die wissenschaftliche Seite vertreten neben Prof. Dr. Ludwig Ellenberg (Humboldt Universität Berlin), Prof. Dr. Stefan Heiland (TU Berlin), Prof. Dr. Peter Schmidt (TU Dresden) sowie Prof. Dr. Kai Tobias (Universität Kaiserslautern). Aus der AG Nationalparke unterstützen Manfred Bauer (Nationalpark Kellerwald-Edersee) sowie Ulrich Meßner (Müritz-Nationalpark) das Vorhaben. Für die NGO‘s kommen Arnd Winkelbrand (BBN), Dr. Christof Schenck (ZGF) und Wolfgang Fremuth (ZGF), für EUROPARC Deutschland Holger Wesemüller.
Die Projektkoordination erfolgt durch EUROPARC Deutschland unter der Leitung von Karl Friedrich Sinner (Vorstand EUROPARC Deutschland). Unterstützt wird das Vorhaben vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU).
Aufgabe des Evaluierungskomitees ist es, sich mit den Evaluierungsergebnissen und dem Evaluierungsbericht, der diese Ergebnisse textlich kompiliert, kritisch auseinanderzusetzen und im Dialog mit der Nationalparkverwaltung vor Ort mögliche Schwachstellen zu erörtern und Handlungsansätze für Verbesserungen zu diskutieren.
In Auswertung dieser Arbeitsgrundlagen und des Eindrucks vor Ort fertigt das Komitee einen eigenständigen Abschlussbericht an, der den Ist-Zustand des Parks dem Soll-Zustand entsprechend der definierten Standards (Broschüre „Qualitätskriterien und -standards für deutsche Nationalparks“) gegenüberstellt und Handlungsempfehlungen formuliert. Der Komitee-Bericht wird dem Park und dem zuständigen Landesministerium übergeben.
Fertig gestellt sind bisher 6 Komitee-Berichte (Stand Nov. 2011), veröffentlicht wurden bisher die Komitee-Berichte zu den Nationalparks Unteres Odertal und Eifel.
Im Rahmen des Projekts veranstaltete EUROPARC Deutschland am 29. und 30.03.2011 in Bad Wildungen eine Tagung zum Thema "Wildbestandsregulierung in deutschen Nationalparks".
Hier können Sie das Programm einsehen.
Die Präsentationen zu den Vorträgen finden Sie unter folgenden Links:
Dr. Volker Scherfose, Bundesamt für Naturschutz
Grundlegende Aspekte und Möglichkeiten des Wildmanagements in deutschen Nationalparken (1.3 MB)
Manfred Großmann, Nationalpark Hainich
Wildregulierung im Nationalpark Hainich (6 MB)
Dr. Marco Heurich, Nationalpark Bayerischer Wald
Wenn Wildnis an ihre Grenzen stößt. Wildtiermanagement und -forschung im Grenzbereich zwischen Kulturlandschaft und Nationalpark (7.9 MB)
Frank-Uwe Michler, Technische Universität Dresden
Prädatorenmanagement in Nationalparks? Notwendigkeit und Machbarkeit regulativer Eingriffe am Beispiel des Neubürgers Waschbär (2.3 MB)
Mark Harthun, NABU Hessen
Gilt der Prozessschutz für alle Lebewesen? Forderungen an ein Schalenwildmanagement in einem Nationalpark (2.5 MB)
Andreas Pusch, Nationalpark Harz
Wildbestandsregulierung als notwendige Unterstützung für die Waldentwicklung - Eine Daueraufgabe? (6 MB)
Mark Nitze, Technische Universität Dresden
Rotwildtelemetrie im Wolfsgebiet der Oberlausitz (4 MB, Kurzfassung)
Dr. Ulf Hohmann, Forschungsanstalt für Waldökologie und Forstwirtschaft
Wildtiermanagement in Kernzonen bzw. Wildnisgebieten.
Eine Konzept- und Praxisvorstellung aus dem deutschen Teil des Biosphärenreservats Pfälzerwald-Nordvogesen im Vergleich mit anderen Nationalen Naturlandschaften Deutschlands (3.4 MB)
Dr. Flurin Filli, Schweizer Nationalpark
Schalenwild ohne Jagddruck. Erfahrungen aus dem Schweizerischen Nationalpark (2.2 MB)
Prof. Christian Ammer, Universität Göttingen
Die Bedeutung von Schalenwildverbiss für die Artenvielfalt in Wäldern (0.7 MB)
Die Tagungsdokumentation zur Veranstaltung können Sie hier einsehen und auch in unserer Infothek abrufen.
Weitere Informationen:
Andrea Hoffmann
Projektkoordinatorin
EUROPARC Deutschland
Friedrichstraße 60, 10117 Berlin
Tel. 030/288 78 82-10
Andrea.Hoffmann@europarc-deutschland.de