Studienaufenthalt in finnischen Nationalparks: Rückkehr mit Anregungen zur Finanzierung

Was sind erfolgreiche und zukunftsweisende Finanzierungsstrategien, die die Sockelfinanzierung von Schutzgebiete ergänzen? Diese Frage stand in der letzten Septemberwoche im Mittelpunkt des Studienaufenthaltes in Finnland, an dem sechs haupt- und ehrenamtliche Mitarbeitende aus Nationalen Naturlandschaften und von EUROPARC Deutschland teilnahmen. Die Studiengruppe bekam durch Besuche von vier Nationalparks – Nuuksio, Leivonmäki, Southern Konnevesi, Isojärvi – die Gelegenheit, Erfahrungen, Konzepte und Ideen mit finnischem Parkpersonal sowie kooperierenden Organisationen und Unternehmen zu diskutieren.

Gruppe an einem Rastplatz im Wald

Kenntnis- und Erfahrungsaustausch in Finnlands Nationalparks © Katja Arzt

Als allgemeine Eindrücke der besuchten Nationalparks nahmen die Teilnehmenden u.a. den Ansatz „Angebote statt Verbote“ auf, ebenso wie eine große Offenheit und Zuwendung des Personals zu den Menschen, sowohl Einheimischen wie auch Gästen. Mit Blick auf das konkrete Thema des Studienaufenthaltes beeindruckten die Gastgeber durch gut eingesetzte EU-Fördermittel und eine intensive Zusammenarbeit mit Partnerunternehmen und -organisationen vor Ort, die die Finanzierung und Umsetzung von Nationalpark-Aktivitäten ganz erheblich unterstützen. So übernehmen z.B. private Wanderführerinnen und -führer Aufgaben der Öffentlichkeitsarbeit und Umweltbildung, deren Kosten sie durch eigene Einnahmen decken. Vielerlei Anregungen gaben auch die vorgestellten Beispiele für den Einsatz von Freiwilligen, darunter Ehrenamtliche in der Landschaftspflege und freiwillige Schäfer. Dass freiwilliges Engagement auch die Bekanntheit und die Erlebnismöglichkeiten der Nationalparks steigert, zeigte das Beispiel eines Nationalpark-Freundeskreises. Dieser hat es sich u.a. zur Aufgabe gemacht, durch einen Fahrservice und Begleitung ältere Menschen in „ihren Nationalpark“ zu bringen, die sonst seine Schönheit nicht erleben könnten.

Als zukunftsweisende Ausrichtung lernte die Studiengruppe die Aktivitäten der landesweiten Nationalparkverwaltung Metsähallitus kennen, die das Verständnis dafür fördern, dass Naturschutz eine zu finanzierende Aufgabe der gesamten Gesellschaft ist. D.h. Ziel ist es, auch außerhalb des Naturschutzsektors alle staatlichen Strukturen und die Bevölkerung an der Finanzierung der Nationalparks zu beteiligen. Zu diesem Zweck wird derzeit versucht, Alltagsbedürfnisse mit Naturschutz zu verbinden und Finanzquellen aus Sport, Tourismus, Gewerbe etc. zu erschließen. Besonders interessant waren die Einblicke in eine neue Entwicklung: Die staatliche Verwaltung setzt die Gesundheitsvorsorge als eine Leistung der Nationalparks in wert und gab Einblicke in ihre Strategie, Finanzmittel aus dem Gesundheitswesen zu erhalten.

Der Studienaufenthalt fand im Rahmen des Projekts „Akteure aus Nationalen Naturlandschaften im internationalen Kompetenzaustausch“ (ANNIKA) statt. Das Projekt wird gefördert durch das Bundesamt für Naturschutz (BfN) mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB).

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