Naturschutz ist kein Luxus – Verkauf von Klimazertifikaten unterstützt wertvolle Landschaften in Deutschland

Bildunterschrift: Moor © Bruno Dittrich/EUROPARC Deutschland

Unabhängig von den internationalen Verhandlungen zum Klimaschutz wird es immer wichtiger auch regionale Ansätze zu unterstützen und zu forcieren. EUROPARC Deutschland e. V. als Dachverband aller Großschutzgebiete ist davon überzeugt, dass in Deutschland wesentlich mehr zum Klimaschutz beigetragen werden könnte, wenn gezielte Maßnahmen auch in Schutzgebieten umgesetzt würden. Derzeit wird untersucht, wie eine monetäre Honorierung von Klimaschutzmaßnahmen in Schutzgebieten mittels Kohlenstoffzertifikaten in Deutschland etabliert werden kann. Bisher ist die Speicherung von Kohlenstoff in Böden und Biomasse lediglich ein Nebenprodukt der Land- und Forstwirtschaft oder das Ergebnis von Naturschutzprojekten, die vor allem von der öffentlichen Hand oder von Verbänden und Stiftungen finanziert werden. Dies könnte sich bald ändern, wenn auf dem freiwilligen Kohlenstoffmarkt zukünftig auch Zertifikate angeboten würden, die aus deutschen Wald-, Moor oder Grünlandprojekten in Großschutzgebieten generiert werden. Umweltbewusste Unternehmen können diese Zertifikate erwerben und so gezielt neue Klimaschutzmaßnahmen auch in Schutzgebieten finanzieren.

Unter Federführung von EUROPARC Deutschland e. V. traf sich am 10.01.2012 ein Gremium von 16 Wissenschaftlern aus den Bereichen Vegetationsökologie, Klimaforschung, Forstwissenschaften u.a. Sie diskutierten, wie Klimaschutzleistungen von Umweltmaßnahmen in Moor, Wald und Grünland gemessen und überprüft werden können. Einigkeit bestand darüber, dass es auch in Deutschland notwendig sei, Instrumente zur einheitlichen Bewertung von Klimaschutzleistungen zu entwickeln. Dazu bewerteten Wissenschaftler des Instituts DUENE e. V. bereits erprobte Klimaschutzmaßnahmen, mit dem Ziel ein Regelwerk zur Messung und Bewertung relevanter Klimaschutzmaßnahmen zu erarbeiten. Die Experten sind sich einig, dass sich die klimarelevanten Maßnahmen an Qualitätskriterien im freiwilligen Zertifikathandel orientieren müssen. Es wurde außerdem die Wirkung auf andere Ökosystemleistungen und der Biodiversität diskutiert. Klimaschutzmaßnahmen für Großschutzgebiete sind zum Beispiel moderne Agroforstsysteme wie z.B. Streuobstwiesen oder die Wiedervernässung von Mooren. Auch im Wald kann noch mehr Kohlenstoff in der Holzbiomasse und in den Böden durch Waldumbaumaßnahmen gebunden werden. Die Holznutzung muss dabei keinen Widerspruch zum Klimaschutz darstellen.

Der Wissenschaftsworkshop wurde im Rahmen einer Vorstudie für das Erprobungs- und Entwicklungsvorhaben (E+E) „Inwertsetzung von Natur und Naturschutzmaßnahmen“ durchgeführt, die vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt Naturschutz und Reaktorsicherheit finanziert wird. EUROPARC Deutschland e. V. ist der Dachverband aller deutschen Großschutzgebiete. Das sind Naturparks, Biosphärenreservate und Nationalparks, die in 15 Bundesländern vertreten sind und sich unter der Marke Nationale Naturlandschaften einheitlich nach außen darstellen.

Kontakt:
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Projektkoordinatorin
EUROPARC Deutschland e. V.
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katja.arzt@europarc-deutschland.de
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