EUROPARC Deutschland e. V. setzt Standards für Wildnisgebiete als Teil der Nationalen Naturlandschaften

Bis 2020 soll sich auf mindestens 2 % der Landesfläche Deutschlands wieder Wildnis entwickeln können. Im Zuge der Umsetzung dieses in der „Nationalen Biodiversitätsstrategie“ (NBS) der Bundesregierung (2007) verankerten 2 %-Wildnisziels werden alle Kernzonen von Nationalparks sowie großflächige, zusammenhängende Kernzonen der Biosphärenreservate als Wildnisgebiete eingestuft. Darüber hinaus können Entwicklungsprozesse auch in Wäldern und Mooren, an den Meeresküsten und Fließgewässern, im Hochgebirge sowie auch auf ehemaligen Militär- und Bergbauflächen natürlich und ungestört ablaufen. Ungeachtet der sehr unterschiedlichen Ausgangsbedingungen sollten solche Gebiete bestimmte Qualitätsmerkmale aufweisen.

Im Auftrag des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) erarbeitete EUROPARC Deutschland e. V. 2015 einen Vorschlag für ein umfassendes Qualitätskriterienset.  Die mit den Länderfachbehörden abgestimmte Fachposition des Bundesumweltministeriums (BMU) und des BfN (Stand: 03. Mai 2018) orientierte sich an diesem Vorschlag, beschränkte das Kriterienset jedoch auf Mindestkriterien, die ein großflächiges Wildnisgebiet i. S. der NBS zu erfüllen hat. BMU/BfN streben damit keine neue Schutzgebietskategorie an, vielmehr sollen die entsprechenden Gebiete eine Zusatzqualifikation bzw. ein Prädikat erlangen.

EUROPARC Deutschland e. V. geht einen Schritt weiter und will besondere Wildnisgebiete in die Nationalen Naturlandschaften einbinden. Aus diesem Grund haben wir Standards für Wildnisgebiete als Teil der NNL entwickelt. Um zu den Qualitätskriterien von BMU/BfN passfähig zu sein, bauen wir auf diesen auf. Soweit fachlich geboten, sind sie aber strenger gefasst oder um weitere Qualitätsmerkmale ergänzt. Richtschnur ist dabei die Ankopplung an die Managementkategorie I b IUCN „Wilderness Area“. Unterschiede zwischen beiden Kriterienkatalogen bestehen v. a. in der Mindestgröße (3.000 ha), der Zonierung und den Rechtsgrundlagen. Geplant ist, diese Mindeststandards, die bei Einrichtung eines Wildnisgebiets der NNL erfüllt sein müssen zu einem späteren Zeitpunkt um solche zu ergänzen, die das Management des Wildnisgebiets betreffen und die erst im Zuge der Entwicklung des Gebiets erreicht werden können. Der Vorstand von EUROPARC Deutschland e. V. hat diese Standards am 10. Oktober 2018 beschlossen.

Anhand dieser Standards können nun bestehende und neu auszuweisende Wildnisgebiete evaluiert werden. Das erste Wildnisgebiet der Nationalen Naturlandschaften, die Königsbrücker Heide, wurde am 02. Juni 2016 ausgezeichnet. Im Vorfeld hatte EUROPARC Deutschland e. V. das Gebiet anhand seines umfassenden Kriterienset-Vorschlags geprüft, ob das Gebiet dem Anspruch eines Wildnisgebiets gerecht wird. Aus Anlass der geplanten Zertifizierung des NSG Königsbrücker Heide als Wildnisgebiet nach I b IUCN sowie der Verabschiedung der novellierten NSG-Verordnung planen die NGS-Verwaltung Königsbrücker Heide und EUROPARC Deutschland e. V., den Evaluierungsbericht von 2016 anhand der beschlossenen Standards zu aktualisieren.