EUROPARC Deutschland e. V. engagiert sich mit der Entwicklung von Qualitätskriterien für deutsche Wildnisgebiete

Wildnisgebiete, in denen sich die Natur ohne Einfluss des Menschen entwickeln kann, gibt es auch in Deutschland, z. B. in den Kernzonen der Nationalparks. Allerdings nehmen diese Wildnisgebiete aktuell nur einen sehr kleinen Teil unserer Landesfläche ein. Um das zu ändern, hat sich die Bundesregierung 2007 in der „Nationalen Biodiversitätsstrategie“ (NBS) das Ziel gesetzt, dass es bis 2020 wieder auf 2 % der Landesfläche wieder Gebiete geben soll, in denen sich die Natur nach ihren eigenen Gesetzmäßigkeiten entwickeln kann.

Damit dies erreicht werden kann, müssen viele neue „Wildnisgebiete nach der NBS“ eingerichtet werden, die sehr unterschiedlich aussehen können. So kommen beispielsweise Flussauen, Moore und Wälder, aber auch ehemalige militärische Übungsflächen und Bergbaufolgelandschaften grundsätzlich in Frage.

Bei dieser Vielfalt von Ausgangsbedingungen sollte darauf geachtet werden, dass die neuen Wildnisgebiete eine Mindestanforderung an Qualität erfüllen, z. B. in den Bereichen Rechtsordnung oder Größe. Ebenso sollte ein Rahmen geschaffen werden, der vorgibt, wie das Management des zukünftigen Gebiets aussehen sollte und wie dessen Qualität stetig gesteigert werden kann.

Das Projektteam stellt die Kriterien auf der Tagung „Wildnis im Dialog“ vor. © EUROPARC Deutschland.

Aus diesem Grund hat EUROPARC Deutschland e. V. im Auftrag des Bundesamts für Naturschutz seit März 2015 einen Vorschlag von Qualitätskriterien und -standards für Wildnisgebiete in Deutschland entwickelt, der in seinem Aufbau an die renommierten, ebenfalls durch EUROPARC Deutschland entwickelten, „Qualitätskriterien und -standards für deutsche Nationalparke“ angelehnt ist, mit denen von 2009 bis 2013 mit großem Erfolg die Nationalparks evaluiert wurden .

In den Entwicklungsprozess der Kriterien hat das Projektteam aus Katharina Sabry und Karl Friedrich Sinner dabei auch Wildnisexperten aus unterschiedlichen Institutionen wie z. B. Schutzgebieten, Ämtern und Universitäten gewinnbringend eingebunden.

So wurde nicht nur im Juli 2015 ein Expertenworkshop bei EUROPARC Deutschland veranstaltet, sondern die Ergebnisse wurden auch auf der BfN-Tagung „Wildnis im Dialog“ auf Vilm vom 14.-17. September 2015 einem renommierten Teilnehmerkreis vorgestellt.

Die anregende Diskussion dort führte zu einer weiteren Optimierung des nun final dem BfN vorliegenden Vorschlags für das Qualitätsset.

„Mit den Qualitätskriterien setzen wir einen gemeinsamen Zielrahmen für Wildnisgebiete. So sind eine seriöse Einrichtung, eine erfolgreiche Arbeit, Kommunikation und Evaluierung möglich.“, erklärt Karl Friedrich Sinner, Projektleiter und Vorstand von EUROPARC Deutschland. „EUROPARC Deutschland führt damit die Qualitätsoffensive in den Nationalen Naturlandschaften fort und öffnet den Weg für Wildnisgebiete, Teil dieser Familie zu werden.“