Einblicke in Bildungsarbeit niederländischer Nationalparks

Bildung für nachhaltige Entwicklung erleben in den niederländischen Nationalparks © Neele Larondelle

Von den Nachbarn lernen: Acht haupt- und ehrenamtliche Mitarbeitende aus Nationalen Naturlandschaften und von EUROPARC Deutschland nutzten im Rahmen eines einwöchigen Studienaufenthaltes in den Niederlanden Anfang Oktober die Gelegenheit, vier Nationalparks – De Sallandse Heuvelrug, Weerribben-Wieden, Dwingelderveld und Drents-Friese – mit ihrer Bildungsarbeit kennenzulernen. Während der Woche konnten sie hochwertige Bildungsangebote selbst erleben, führten intensive Diskussionen mit Expertinnen und Experten vor Ort und reflektierten die Eindrücke innerhalb der Studiengruppe. Das Verständnis von Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) wurde damit zunehmend geschärft, u.a. auch das Verständnis für die unterschiedliche Interpretation von BNE in Deutschland und den Niederlanden.

Beeindruckt waren die Teilnehmenden insbesondere von der Gastfreundschaft der Niederländer. Konkrete Anregungen für die eigene Arbeit in den Nationalen Naturlandschaften gaben z.B. die Projekte „Junior Consultancy Agency“ und „Spokesman for Nature“. Mit ihnen verfolgen die niederländischen Kolleginnen und Kollegen das Ziel, Jugendliche schon früh in eigenen Projekten arbeiten zu lassen, sich ihrer Kompetenzen bewusst zu werden und Verantwortung für ihre Umwelt zu tragen. Die Zielgruppe der Sekundarschüler wird dabei für die Themen des Umweltschutzes auch in wirtschaftlichen Zusammenhängen sensibilisiert und befähigt, ihr individuelles Handeln im Rahmen eigener Projekte zu reflektieren. Interessant war für die Teilnehmenden darüber hinaus der Einblick in die Organisationsstrukturen der niederländischen Schutzgebietsverwaltung und -betreuung. Neben den staatlichen Verwaltungen übernehmen gut aufgestellte Nichtregierungsorganisationen, wie Natuurmonumenten, einen Großteil der Bildungsarbeit. Einen enormen Wert hat das Freiwilligenengagement: Ehrenamtlich Aktive sind beispielsweise in Besucherzentren für vielfältige Besuchergruppen im Einsatz. Sie werden durch Hauptamtliche professionell angeleitet und koordiniert. Erfolgsfaktoren sind dabei die persönliche Ansprache und die hohe Wertschätzung, die die Ehrenamtlichen durch die Hauptamtlichen aber auch durch die niederländische Gesellschaft allgemein erfahren.

Als einen interessanten Ansatz, der in den deutschen Schutzgebieten bislang nicht konsequent umgesetzt wird, lernten die Teilnehmenden des Studienaufenthaltes die „Elternarbeit“ kennen, die in fast jedem niederländischen Umweltbildungsprogramm explizit mitgedacht wird. In der Praxis bedeutet das, dass die Kinder entweder Aufgaben mit nach Hause bekommen, die sie dann ihren Eltern erklären müssen oder es finden Vorführungen oder Präsentationen für die Eltern am Ende eines Bildungsprogrammes in der jeweiligen Schule statt. Des Weiteren konnte die deutsche Delegation vielfältige Anregungen, insbesondere bei den Aspekten Beteiligung von Jugendlichen und Verankerung von Schutzgebieten in der jeweiligen Region, mitnehmen. Die „Junior Consultancy Agency“ ist bspw. ein Schulprogramm für Klassen der Sekundarstufe in den Fächern Biologie oder Politik. Die Schulklassen fungieren dabei wie ein reguläres Beratungsunternehmen und erörtern reale Probleme von lokalen Unternehmen. Die Schülerinnen und Schüler arbeiten hierbei verantwortungsbewusst und erfahren gleichzeitig, z.T. sogar auch monetäre Wertschätzung von den beteiligten Unternehmen.

Der Studienaufenthalt fand im Rahmen des Projekts „Akteure aus Nationalen Naturlandschaften im internationalen Kompetenzaustausch“ (ANNIKA) statt. Das Projekt wird gefördert durch das Bundesamt für Naturschutz (BfN) mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB).

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