Der Preis für Artenvielfalt in den Nationalen Naturlandschaften

Trinkt man den leckeren Apfelsaft, der von den Streuobstwiesen aus den Nationalen Naturlandschaften kommt, schmeckt man nicht, dass viele seltene Tiere und Pflanzen davon profitieren. Man schmeckt auch nicht die Probleme und Sorgen, die die malerischen Streuobstwiesen im Biosphärenreservat Rhön oder im Biosphärengebiet Schwäbische Alb mit sich bringen.

Der Erhalt der Wiesen verursacht viel Arbeit: die Bäume müssen regelmäßig geschnitten, das Gras muss gemäht und das Obst muss oft noch mit der Hand geerntet werden. „Wir haben derzeit viele Personen, die sich ehrenamtlich oder aus Hobby um die Streuobstwiesen kümmern. Wenn die einmal wegfallen, dann weiß ich nicht, wie es weitergehen soll“, so Astrid Schäfer von der Rhöner Apfelinitiative, die eng mit dem Biosphärenreservat zusammenarbeitet. Diese Probleme kennt man auch auf der Schwäbischen Alb: Die Erlöse aus der Vermarktung regionaler Produkte – vom Apfelmost bis zu Apfelchips -, reichen nicht aus, um die Kosten zu decken. Wenn sich daran nichts ändert, werden diese Schatzkammern der Natur bald der Vergangenheit gehören. Damit würde nicht nur der Artenverlust weiter ansteigen, son-dern auch wertvolle Erholungslandschaften wegfallen und Deutschlands einmalige Kulturlandschaften verarmen. Es fehlt an Geld für die Umsetzung von Maßnahmen in den Nationalen Naturlandschaften, um die Natur ökologisch aufzuwerten und nachhaltig zu bewahren.

Für einen dauerhaften Erhalt von artenreichen und abwechslungsreichen Naturlandschaften, hat EUROPARC Deutschland e.V. – Dachverband der Nationalparks, Biosphärenreservate und Naturparks – ein Projekt zur Inwertsetzung von Natur- und Klimaschutzmaßnahmen initiiert, das auf das Engagement von Unternehmen und Einzelpersonen zielt. Gefördert wird das Vorhaben im Rahmen des Bundespro-gramms Biologische Vielfalt, durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit, dem Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg sowie dem Biosphärenreservat Rhön und aus eigenen Mitteln des gemeinnützigen Vereins EUROPARC Deutschland. „Wir erhoffen uns, dass Unternehmen und Privat-personen in Natur- und Klimaschutzmaßnahmen in die Nationalen Naturlandschaften investieren. Wir möchten einen Weg finden, damit die Natur uns auch morgen noch verwöhnen kann mit ihren vielfältigen Leistungen wie saubere Luft, fruchtbare Böden, Bestäubung unserer Apfelbäume, schöne Ausblicke. Die Investition in die Bewahrung der Artenvielfalt lohnt sich in vielfacher Hinsicht. Wenn wir diese Naturleistungen für zukünftige Generationen sichern wollen, müssen wir uns ernsthaft Gedanken machen, wie wir das heute finanzieren können“, so Projektleiterin Dr. Katja Arzt von EUROPARC Deutschland. Im Inwertsetzungsprojekt sollen Zertifikate entwickelt und verkauft werden, mit denen man die Natur direkt vor der Haustür schützen und entwickeln kann.

Nicht nur Streuobstwiesen, sondern auch ein naturnaher Wald oder ein nasses Moor erbringen wichtige Leistungen für die Gesellschaft. Deshalb wird in den kommenden vier Jahren in dem Biosphärengebiet Schwäbische Alb, dem Biosphärenreservat Vessertal – Thüringer Wald und dem Naturpark Terra.Vita nach geeigneten Maßnahmen zur Bewahrung der Leistungen gesucht, die ohne eine externe Finanzierung nicht umgesetzt würden. Gemeinsam mit dem Institut für Dauerhaft Umweltgerechte Entwicklung von Naturräumen der Erde (DUENE e.V.) werden die wissenschaftlichen Grundlagen geschaffen, um die Natur- und Klimaschutzmaßnahmen zu messen.

Zur Auftaktveranstaltung des Projektes trafen sich am 22. und 23. September zwanzig Projektbeteiligte im Biosphärenreservat Rhön auf der Sennhütte bei Fladung. Gemeinsam einigten sie sich auf die nächsten Schritte. „Im nächsten Halbjahr werden konkrete Projektflächen in den beteiligten Pilotregionen gefunden. Mit den Flächeneigentümern wird sich dann darüber verständigt, welche Maßnahmen an den jeweiligen Standorten sinnvoll und erwünscht sind. Wir wollen erfassen, welche Leistungen der Natur in den kommenden Jahren zu erwarten sind und wie teuer das wird“, so Achim Schäfer, Wissenschaftler vom Institut DUENE. Der Wille, etwas Neues und Innovatives zu schaffen, damit die wertvollen Nationalen Naturlandschaften in ihrer Einzigartigkeit erhalten bleiben, ist bei allen Teilnehmern groß. Ihr Ziel haben sie klar vor Augen: Man will umweltbewusste Unternehmen und Privatpersonen gewinnen, die sich durch den Kauf von Zertifikaten aktiv am Natur- und Klimaschutz in Deutschlands wertvollsten Landschaften beteiligen.

Ansprechpartner:

EUROPARC Deutschland e.V.
Dr. Katja Arzt (Projektkoordination)
Pfalzburger Straße 43/44
10717 Berlin
Tel: 030.288 788 2-25
Katja.arzt@europarc-deutschland.de