BNE in Biosphärenreservaten: Positionsbestimmung durch Bildungsverantwortliche

Bei einem Workshop in Berlin am 8. Mai erörterten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nahezu aller deutschen Biosphärenreservate gemeinsam mit der Deutschen UNESCO-Kommission (DUK) und EUROPARC Deutschland e.V. die Chancen und Potentiale, aber auch Grenzen der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) in Biosphärenreservaten. UNESCO-Biosphärenreservate sind Modellregionen für nachhaltige Entwicklung. Damit haben sie die Aufgabe, zur Stärkung nachhaltiger Lebens- und Wirtschaftsformen beizutragen. Diese müssen identifiziert, gelernt, gelebt und kontinuierlich gestärkt werden. Daher zählt BNE zu den Kernaufgaben aller 669 UNESCO-Biosphärenreservate weltweit. In Bildungs- und Lernprozesse sollen sowohl Bewohnerinnen und Bewohner als auch Besucherinnen und Besucher eingebunden werden.

Gruppen in Diskussion

BNE-Verantwortliche im intensiven Erfahrungsaustausch © DUK

„Ich erhoffe mir vom heutigen Workshop mehr Klarheit über die Praxis von BNE“, so Annett Rabe, die im UNESCO-Biosphärenreservat Thüringer Wald verantwortlich ist für BNE. Und genau darum ging es bei dem gemeinsam von DUK und EUROPARC Deutschland organisierten Workshop: Austausch, Kooperation und Weiterentwicklung von praxisorientierten BNE-Konzepten in den deutschen Biosphärenreservaten zu fördern. Eine erfolgreiche Bildung für Nachhaltige Entwicklung braucht zwar eine solide bildungstheoretische Unterfütterung, die Umsetzung in konkrete Formate für verschiedene Zielgruppen lebt aber vor allem auch vom Austausch der Praktiker.

Der aktuelle Rahmen ist ideal, um BNE weiterzuentwickeln, zu verstetigen, auf neue Zielgruppen zu erweitern und neue Partner zu gewinnen: Die Nachhaltigkeitsagenda 2030, das Paris-Abkommen zum Klimawandel, die neue deutsche Nachhaltigkeitsstrategie, der Aktionsplan von Lima und das Weltaktionsprogramm BNE haben dabei alle die gleiche Stoßrichtung.
Eine Vorab-Abfrage bei den Teilnehmenden des Workshops ergab, dass derzeit die Hälfte aller BNE-Aktivitäten in den deutschen UNESCO-Biosphärenreservaten die Zielgruppe der Kinder und Jugendlichen adressieren, knapp 30% der Angebote richtet sich an Erwachsene und Multiplikatoren, 20% an Touristen. Einige Biosphärenreservate haben auch Angebote entwickelt, die sich zum Beispiel gezielt an Rentner und auch an Geflüchtete richten. So engagieren sich Rentner im Biosphärenreservat Südharz ehrenamtlich, um der Bevölkerung die Bedeutung von Streuobstwiesen für eine nachhaltige Landwirtschaft und Ernährung zu vermitteln. Im DBU-geförderten Projekt „Neue Heimat Biosphäre“ im Biosphärenreservat Bliesgau lernen Geflüchtete, wie sie nachhaltig leben können und welche Natur sie heute umgibt; Dies erleichtert ihnen in ihrem neuen Lebensumfeld Orientierung, Schutz und eine neue Heimat zu finden.

Moderatorin vor der Gruppe

Präsentation von Arbeitsergebnissen im Plenum © DUK

Solche Praxisbeispiele wurden im Laufe des Workshops diskutiert und zeigen, dass Biosphärenreservate mustergültig einen Bildungsansatz realisieren können, der Wissen, Kompetenzen, Werte und Haltungen gleichermaßen zum Ziel hat, der globale Herausforderungen mit lokalem Handeln verbindet und ökologische wie sozio-ökonomische Fragen gleichermaßen thematisiert. Insgesamt zeigte der Workshop, dass die Angebote der Biosphärenreservate für Erwachsene und Multiplikatoren derzeit an Bedeutung gewinnen.

Mehrfach wurde daher im Workshop auf die Vorbildfunktion der Verwaltungsstellen von Biosphärenreservaten hingewiesen. Ein ganzheitlicher BNE-Ansatz erfordere ein bewusst nachhaltiges Handeln der öffentlichen Verwaltung, sonst wäre jeder Versuch der Vermittlung von Nachhaltigkeitswerten unglaubwürdig. Teilnehmende mahnten zudem an, die Verantwortung für das Gelingen von nachhaltiger Entwicklung nicht auf Verwaltungsstellen von Biosphärenreservaten und auf die Bildung abzuwälzen; auch die politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen müssen auf eine nachhaltige Entwicklung ausgerichtet werden.

Die Anwesenden betonten einhellig, dass die heutige personelle und finanzielle Ausstattung der Biosphärenreservate für den gestalterischen Bildungsauftrag im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung nicht ausreichend sei. Zudem sei das formale Bildungssystem zu wenig auf BNE ausgerichtet, BNE müsse verbindlich und verpflichtend in Lehrplänen und Schulalltag verankert werden. Dies würde auch dazu führen, dass BNE-Angebote der Biosphärenreservate besser nachgefragt werden.
Die Biosphärenreservatsvertreterinnen und -vertreter waren sich einig darin, dass UNESCO-Biosphärenreservate sich als exzellente außerschulische BNE-Lernorte profilieren können. Dazu wollen sie noch stärker als bisher institutionalisierte Partnerschaften mit anderen Bildungseinrichtungen eingehen.
Weiterführende Informationen:
BNE-Portal der DUK

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