An der „Alten Elbe“ bei Klieken beginnen die Entschlammungsarbeiten

EUROPARC Deutschland e.V., der Dachverband der Nationalen Naturlandschaften, sichert mit Unterstützung der internationalen Coca-Cola Stiftung den Erhalt eines wertvollen Ökosystems im UNESCO-Biosphärenreservat Mittelelbe.

Coswig (Anhalt), Ortsteil Klieken. Mitte August haben die Saugspülbagger ihre Arbeit an der Alten Elbe bei Klieken aufgenommen und werden bis Ende des Jahres rund 50.000 Kubikmeter Schlamm aus dem südwestlichen Gewässerabschnitt herauspumpen, um einen unwiederbringlichen Lebensraum u. a. für Brutvogelarten wie Kranich, Seeadler, Eisvogel sowie Amphibien und Pflanzen zu erhalten. Es ist die letzte Etappe der Altwasser-Renaturierung, die vor über 25 Jahren begann. Zuletzt wurde sie 2001 über das EU-Life Projekt „Renaturierung von Fluss, Altwasser und Auenwald“ finanziert.

EUROPARC Deutschland führt dieses Vorhaben in Zusammenarbeit mit dem Biosphärenreservat Mittelelbe durch. Die finanzielle Unterstützung zur Umsetzung der Entschlammung dieses letzten Teilabschnitts kommt von der internationalen Coca-Cola Stiftung. Das Unternehmen hat sich das ambitionierte Ziel gesetzt, jeden Liter Wasser, der für die Getränkeherstellung benötigt wird, der Natur zurückzugeben. Denn nur ein funktionsfähiges Ökosystem garantiert langfristig die Sicherung des lebensnotwendigen Rohstoffes Wasser. „Dieses Projekt ist ein Gewinn für die Natur und uns Menschen. Es wäre begrüßenswert, wenn sich noch mehr Unternehmen für diese Art des Naturschutzes begeistern ließen“, so Guido Puhlmann, Leiter des Biosphärenreservats.

Während des Projektverlaufs konnte zusätzlich die Lotto-Toto GmbH Sachsen-Anhalt als weiterer Förderer gewonnen werden.

Am 24. September wird Sachsen-Anhalts Minister für Landwirtschaft und Umwelt, Dr. Hermann Onko Aeikens, die Baustelle besuchen und mit den Verantwortlichen sprechen.

Was passiert in den nächsten Wochen

Die Entschlammung des Altwassers erfolgt auf dem Weg der Nassbaggerung, wobei über wasser- und landseitige Rohrleitungen das Wasser-Schlamm-Gemisch auf ein bereits vorhandenes Spülfeld aufgebracht bzw. gepumpt wird. Die Schlammtiefen im Altwasser liegen  im Bereich von 0,50 m bis über 2,00 m. Durch das Abpumpen des Schlamms wird ein Wasserkörper von 55 Millionen Litern Wasser neu geschaffen. Von den öffentlichen Straßen und den Beobachtungstürmen können die Arbeiten von den Besuchern der Kliekener Aue verfolgt werden.

Hintergrund Altwasser

Altwasser sind ehemalige Flussarme, die durch dynamische Verlagerung der Flussmäander vom Fluss abgetrennt wurden und durch natürliche Alterungsprozesse eines Gewässers verlanden. Sie sind in ihrer Existenz zeitlich begrenzte Lebensräume der Aue. Mit der Abtrennung und Isolierung vom Fluss durchlaufen sie natürliche Entwicklungsphasen, die von der Besiedlung des Gewässers durch Pflanzen und Tiere der Stillgewässer bis zur totalen Verlandung  gehen. Durch die natürliche Flussdynamik, d.h. durch die Verlagerung der Mäanderbögen, können in der Aue stetig Altarme und Altwässer entstehen. Diese Situation ist jedoch an der Elbe nicht mehr gegeben, so dass in absehbarer Zeit die Gefahr besteht, dass Altwässer in Initial- und Optimalphase nicht mehr existieren und durch Verlandung als Lebensraum endgültig verloren gehen. Ziel des  Projektes ist  es, die „Alte Elbe“ als unwiederbringliches Altwasser zu erhalten.

Die Alte Elbe bei Klieken bildet mit dem Saarensee und dem Kurzen Wurf einen Biotopkomplex. Durch Abtrennung von Mäanderbögen vom Strom, wurden zunächst der Saarensee und später die Alte Elbe von Fluss getrennt.

Einladung zur Projektvorstellung

EUROPARC Deutschland und die Biosphärenreservatsverwaltung Mittelelbe laden zu einer Führung am Samstag, den 05.09.2015 um 10.00 Uhr (Treffpunkt  Klieken, Hotel Waldschlösschen ) durch das Kliekener Urstromtal ein. Bei dieser Exkursion lernen die Besucher die Schönheiten der Kliekener Aue und gleichzeitig die Ziele und das Vorhaben „Entschlammung Alte Elbe“ kennen.

Ansprechpartner:

EUROPARC Deutschland e.V.

Dr. Katja Arzt (Tel.: 030 / 288 788 220, Mail: katja.arzt@europarc-deutschland.de)

Bernd Eichhorn (Tel.: 0151 / 126 69 771, Mail: bernd.eichhorn@europarc-deutschland.de)